Arabische Zahlen gehören nicht mehr zu Deutschland

Nach dem radikalen Kurswechsel der Bundesregierung in Sachen Kernkraft steht nun ein noch einschneidenderer Wechsel in der Bildungs-, Wirtschafts- und Technologiepolitik bevor. Wie aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, plant die Bundesregierung die lückenlose Ersetzung des einstmals von Muslimen geschaffenen arabischen Zahlensystems durch das von jeher der christlich-abendländischen Tradition angehörende römische Zahlensystem.

Die wahrhaft revolutionäre Reform wurde auf Initiative von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich beschlossen, der sich nach eigenem Bekunden von den Forderungen der Elterngruppen aus Altötting und Oberammergau beeindruckt sieht. Auch wenn es bis heute nur wenigen aufgefallen sei, gehöre das zweifelsfrei von Islamgläubigen entwickelte Zahlensystem nicht zu Deutschland. Gewiss könne nicht ausgeschlossen werden, dass es beim Übergang zum römischen Zahlensystem hier und da zu Reibungen und Irrtümern kommen könne, doch seien diese nicht gravierender als die, wie man heute weiß, irrtümliche Genehmigung von Kernkraftwerken.

Absehbare Schwierigkeiten im Austausch mit Ländern, die am arabischen Zahlensystem festhalten wollen, ließen sich durch gemeinsame Anstrengungen aller Deutschen überwinden. Außerdem könne man nun an der Mitwirkungsbereitschaft von Bürgern mit Migrationshintergrund beim Wechsel des Zahlensystems sehr gut ablesen, wes Geistes Kind sie seien. Wer weiterhin Preisangaben, z.B. an Dönerbuden, in arabischen Ziffern mache, gehöre jedenfalls nicht zu Deutschland. Kritische Einwände gegenüber der Reform sind bislang nur vom DGB bekannt. DGB-Vorsitzender Michael Sommer protestierte in aller Schärfe gegen die zusätzliche Belastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Umstellungsprozess und bewies mit seinen vom Leiden an kapitalistischer Lohnsklaverei geprägten Gesichtszügen das bekannt hohe Maß an Mitgefühl.

Berlin, April I, MMXI.

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Über hwiesenthal

Soziologe und Politikwissenschaftler, seit 2003 im Ruhestand, gelegentlich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft für Sozialforschung (AfS) e.V. und bei der Grünen Akademie der Heinrich Böll-Stiftung.
Dieser Beitrag wurde unter AKW-Laufzeitverlängerung, arabisches Zahlensystem, CDU/CSU, Politik, Reformen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Arabische Zahlen gehören nicht mehr zu Deutschland

  1. Sabine Becker schreibt:

    🙂 🙂 🙂

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