Bio-Text

Lebenslauf (streamlined)

Helmut Wiesenthal, 1938 in Meuselwitz/Thüringen geboren, lebte bis Ende 1953 in Erfurt und von 1954 bis 1974 in Unna bzw. Bochum. Nach dem Abitur (in Unna 1959) studierte er zunächst drei Semester Wirtschaftswissenschaften in Münster. Auf den Abbruch des Studiums folgten verschiedene Tätigkeiten in der Metallindustrie. Eine zweite Studienphase an der Universität Bielefeld (1974-79) galt der Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft und endete mit dem Soziologiediplom. Von 1980 bis 1983 und von 1986 bis 1988 arbeitete Wiesenthal als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der bielefelder Soziologie-Fakultät. Zwischen 1983 bis 1986 war er an einem Forschungsprojekt des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung (Wien) beteiligt und schrieb seine Dissertation (1987 unter dem Titel „Strategie und Illusion“ publiziert) . Es folgten Forschungstätigkeiten im Auftrag des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales, am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (Köln) und am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen.

1991 übernahm Wiesenthal den Auftrag der Max-Planck-Gesellschaft, an der Humboldt-Universität in Berlin die Forschungsgruppe „Transformationsprozesse in den neuen Bundesländern“ (1992 – 1996) aufzubauen. Hier erarbeiteten zahlreiche Wissenschaftliche Mitarbeiter und ausländische Gastwissenschaftler viel beachtete Studien zum institutionellen Wandel in Ostdeutschland und anderen ex-sozialistischen Ländern. Darauf aufbauend gelang es mehreren ostdeutschen Sozialwissenschaftlern, im neuen Wissenschaftssystem Fuß zu fassen. Nach seiner Habilitation im Fach Politische Wissenschaft (an der Universität Hamburg) wurde Wiesenthal 1994 auf die Professur „Systeme gesellschaftlicher Interessenvermittlung“ am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität berufen, wo er bis März 2003 lehrte und mehrere Forschungsprojekte zur politischen Steuerung komplexer Reformen, insbesondere in den mittel- und osteuropäischen Ländern, durchführte.

Ab 2003 konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die Situation Deutschlands und anderer kontinentaleuropäischer Länder im Anpassungsprozess an den Strukturwandel der Weltwirtschaft. Hauptaugenmerk waren Fragen der gesellschaftlichen (Selbst-) Steuerung, die Reform- und Steuerungsfähigkeit politischer Akteure sowie der wirtschafts- und sozialpolitische Reformbedarf. Außerdem war Wiesenthal mehrmals an Evaluationsprojekten des Wissenschaftsrats beteiligt, die v. a. der Begutachtung sozialwissenschaftlicher Forschung an deutschen Universitäten dienten. Er war Mitglied des SGI-Boards (bis 2012) und des BTI-Boards (bis 2016) der Bertelsmann-Stiftung – zwei Expertenkommissionen, die die demokratischen und wirtschaftlichen Entwicklungsprozesse in OECD-Ländern, respektive Schwellen- und Entwicklungsländern vergleichend beurteilen.

Zu den zahlreichen Veröffentlichungen Wiesenthals zählen die von ihm (mit-) herausgegebenen Bände Einheit als Interessenpolitik (1995) , Einheit als Privileg (1996) , Einheit und Differenz (1997) , Kontingenz und Krise (2000) sowie Gelegenheit und Entscheidung – Policies und Politics erfolgreicher Transformations­steuerung (2001) . 2006 publizierte Wiesenthal das Buch Gesellschaftssteuerung und gesellschaftliche Selbststeuerung. Eine als Festschrift für Helmut Wiesenthal herausgegebene Aufsatzsammlung trägt den Titel Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung. Reformfähigkeit und die Möglichkeit rationaler Politik (2004 hrsg. von Petra Stykow und Jürgen Beyer) .

In den 80er Jahren war Helmut Wiesenthal in mehreren Funktionen am Aufbau der Partei Die Grünen beteiligt, der er im Frühjahr 1980 beigetreten war. Er engagierte sich insbesondere für die Programmentwicklung in Sachen Wirtschafts- und Sozialpolitik und zählte im parteiinternen Streit zu den sog. Realpolitikern. Er war Gründungsgesellschafter des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung und gehörte von 1986 bis 1987 dem grünen Bundesvorstand als Beisitzer an. Danach begleitete er die Politik von Bündnis 90/Die Grünen überwiegend aus wohlwollend-kritischer Distanz, u.a. mit seinem Buch Realism in Green Politics (1993) und regelmäßigen Aufsätzen in der Zeitschrift Kommune.

Seit 2004 ist Helmut Wiesenthal Mitglied der Grünen Akademie. Hier beschäftigten ihn neben dem beschleunigten Wandel der Weltwirtschaft v.a. Entwicklungstendenzen in den westeuropäischen Parteiensystemen und der sozialpolitische Reformbedarf auf nationalstaatlicher und EU-Ebene.

Wikipedia-Artikel zu Helmut Wiesenthal.

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