Mein Freund Kalle weiß, wie die VW-Krise gelöst werden sollte

Dass die VW-Krise gar nicht so einfach zu lösen ist, wenn jede Woche neue Tricks ans Licht kommen, aber nicht der kleinste Hinweis auf Leute, die die ganze Malaise verursacht haben, also das, sagt Kalle, sollte einem schon zu denken geben. Kalle sagt, er hätte jetzt nachgedacht und sei dabei auf eine Doppelstrategie gekommen. Doppelstrategien hätten früher schon gut funktioniert. Auch Gerhard Schröder sei mit so einer ins Kanzleramt gekommen. Hier also seine Idee, was man für und mit VW endlich machen müsste.

Als erstes ist den USA unmissverständlich klarzumachen, dass ihre Umweltbehörde mit den Tests an VW-Autos aufhören muss. Und zwar unverzüglich, wie der zu unrecht verstorbene Günther Schabowski gesagt hat. Dann sollte Frank-Walter Steinmeier in Washington Klartext reden, mit wem auch immer, und die Amerikaner daran erinnern, dass ihre Autos auch nicht das Gelbe vom Ei sind, dass sie den Irak-Krieg vom Zaun gebrochen haben, weshalb es jetzt so viele Flüchtlinge gibt, und dass bei ihnen Polizisten der Ansicht sind, unbewaffnete Bürger einfach abknallen zu dürfen, nur weil sie schwarz sind. Und was ist wohl schlimmer: ein bisschen mehr Stickoxid in der Luft oder die vielen Opfer amerikanischen Rowdytums? Und damit die da drüben kapieren, dass wir hier eigene Maßstäbe haben, sollten wir noch eins oder besser zwei draufsetzen: Bundesverdienstkreuzl für Ex-VW-Chef Winterkorn und den Bundesautominister Dobrindt!

Wenn danach endlich Ruhe an der USA-Front eingekehrt ist, kommt die Hauptsache, sagt Kalle. Am besten fange man mit der Umbenennung des VW-Konzerns an: People’s Car statt Volkswagen, PC statt VW. Dann muss natürlich die Motorproduktion eingestellt werden. Motoren werden künftig bei Renault, Kia und Toyota eingekauft mit Echtheitszertifikaten „Not Made in Germany“ usw. So lässt sich verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Als nächstes gilt es, ein neues Alleinstellungsmerkmal zu schaffen, das die pfiffige Abgas-Prüfsoftware ersetzen soll. Hier könnte es ein Glücksfall sein, dass der neue VW-Chef vorher bei Porsche tätig war. Kalles Idee: Künftig soll es keinen VW, ob groß oder klein, teuer oder billig, geben, der weniger als 250 km/h Spitze macht. Das würde den Automarkt total umkrempeln und VW rasch wieder zur Nummer Eins werden lassen. Schließlich bleibt noch das leidige Problem der Milliardenlast für Schadenersatz und zig Millionen Rückrufe. Diese Kosten dürfen keinesfalls zu Lasten der Aktionäre und der Belegschaft gehen. Vielmehr ist die volle Solidarität des deutschen Volkes gefragt, wofür sich am besten eine VW-Soli-Sonderzulage zur Lohn- und Einkommensteuer eignet.

Von einem anderen Vorschlag, der am Stammtisch aufkam, hält Kalle garnichts. Es war die Idee, auch VW-Kunden zur Verantwortung zu ziehen. So soll es tausende Kunden geben, die noch nach Bekanntgabe des Abgasskandals neue Diesel-PKWs bei VW bestellt haben. Diese könnten nicht anders denn als Helfershelfer der VW-Abgas-Mafia angesehen werden und müssten deshalb mit der vollen Härte des Gesetzes bedacht werden. Aber der Vorschlag wurde als unrealistisch abgelehnt, weil er der deutschen Tradition zuwiderläuft, lieber die Allgemeinheit in Anspruch zu nehmen als eine Minderheit von Nutznießern zu belästigen. Immerhin sei das ganze Steuerrecht auf diesem Prinzip gebaut, da könne man nicht so einfach von herunter.

Jetzt kommt es nur noch darauf an, welche Politiker und Konzernlenker sich mit der Umsetzung goldene Nasen verdienen wollen. Schaun wer mal.

Advertisements

Über hwiesenthal

Soziologe und Politikwissenschaftler, seit 2003 im Ruhestand, gelegentlich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft für Sozialforschung (AfS) e.V. und bei der Grünen Akademie der Heinrich Böll-Stiftung.
Dieser Beitrag wurde unter Abgas-Skandal, VW-Betrug, VW-Krise abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s