Es wäre so einfach: Ausländerbegrüßung statt Ausländermaut

Die Einführung einer Maut – ohne Mehrkosten für Inländer – war das innovativste Wahlversprechen. Für die CSU-Politiker und ihre Wähler ging es genau besehen gar nicht so sehr ums Geld als vielmehr um Gerechtigkeit und Ehre. Denn Bayern haben eigentlich nichts gegen Ausländer. Gelegentlich fahren sie sogar selbst in deren Heimat, wo sie für ihr tadelloses Auftreten berühmt und beliebt sind. Aber was viele Bayern und Bayerinnen regelmäßig auf die Palme bringt, ist die Art, wie sich die Ausländer im Inland benehmen.

Österreicher, die von Bregenz nach Salzburg wollen, wählen zum Beispiel gern die Route über München, nur um 40 km Fahrstrecke, 50 Minuten Fahrzeit und rund 10 kg CO2-Emission zu sparen – solche Schlawiner! Dabei kommt es hin und wieder vor, dass sie deutsche Autofahrer respektlos überholen oder einen Stauplatz vor (statt hinter) ihnen beanspruchen – ohne ein Zeichen der Dankbarkeit und Ehrerbietung zu geben. Sie benehmen sich, als ob hier und heute so etwas wie eine Europäische Gemeinschaft existieren würde, in welcher der freie Verkehr von Gütern und Personen normal wäre.

Dem soll nun mit der neuen Seehofer/Dobrindt-Maut ein Riegel vorgeschoben werden. Das Elend ist nur, dass das so viele Inländer und erst recht die betroffenen Ausländer nicht einsehen wollen. So musste der bayerische Ministerpräsident schon ein Diskussionsverbot aussprechen. Das gilt natürlich nur für seine Minister, von denen doch tatsächlich einer forderte, dass die Maut ausgerechnet solchen Ausländern erlassen werden sollte, die sich in Grenznähe tummeln. Aber das sind genau jene, derentwegen die Idee der Ausländermaut überhaupt erst aufgekommen ist! Regieren in Bayern ist kein Kinderspiel.

Angesichts des Mautdebakels gibt es immerhin noch die Möglichkeit, sich auf den harten Kern des bayerischen Anliegens zu besinnen. Bekanntlich geht es um den Gerechtigkeitssinn vieler Bayern, die unter den Mautgebühren der Schweiz und Österreichs besonders dann leiden, wenn sie Schweizer oder Österreicher erblicken, die mautfrei über deutsche Autobahnen rauschen. Es ist ihr ausgeprägtes Ehrgefühl, das die nichtzahlenden Ausländer so schmerzvoll verletzen.

Die Frage lautet also: Wie ließe sich die bayerische Ehre auf anderem Wege wiederherstellen als mit einer in jeder Hinsicht dysfunktionalen Maut? Eine Ehre kann man bekanntlich auf zwei Arten pflegen. Entweder, indem man etwas Ehrenhaftes tut. Oder indem man andere in ihrer Ehre herabsetzt. Genau hier liegt der Schlüssel für unser Problem.

Es gilt zu überlegen, wie man die mautsparenden Ausländer demütigen kann, ohne gegen EU-Vorschriften oder eigene Interessen zu verstoßen. Eine von vielen Möglichkeiten wäre diese: Wir errichten auf einigen Autobahnparkplätzen „Ausländer-Begrüßungsstationen“. Dort werden die Ausländer von der Polizei herausgewinkt und auf ein kleines Podium gebeten, wo man sie – ganz nach Laune des belustigten Publikums – um einen Liedbeitrag und persönliche Stellungnahmen (zu ihrer Deutschlandliebe, ihren erotischen Vorlieben oder ähnlichen RTLII-Themen) bittet. Die ausländischen Touristen, Manager, Medienfritzen usw., die sich bereitwillig demütigen lassen, können bald wieder ins Auto steigen und abbrausen. Schüchterne Ausländer, ob jung oder alt, müssen halt etwas mehr Zeit nach Deutschland mitbringen.

So ein Demütigungskonzept ist nicht nur relativ preiswert. Es hat noch mehr Vorteile. Es ist voll EU-verträglich; und die einzelnen Bundesländer könnten entsprechend ihrer jeweiligen Neigung für Ausländerdemütigung eigene Akzente setzen. Bayern, die unter den mautfreien Ausländern besonders leiden, könnten beim Demütigungsritual persönlich mitwirken. Norddeutsche könnten durchreisende Dänen oder Niederländer mit Blumen begrüßen oder ganz auf das Ritual verzichten. Zugegeben, eine solche bundesweite Regelung hätte allerdings den Nachteil, dass man den Ausländern schon wieder einen Gefallen tun würde. Aber das muss man aushalten.

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Über hwiesenthal

Soziologe und Politikwissenschaftler, seit 2003 im Ruhestand, gelegentlich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft für Sozialforschung (AfS) e.V. und bei der Grünen Akademie der Heinrich Böll-Stiftung.
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