Der falsche und der wahre Faschismus des Wladimir Putin

Präsident Putin kommt das Verdienst zu, die Ukraine und den Rest der Welt vor den Gefahren eines neuen Faschismus gewarnt zu haben. Er ist sogar bereit – und von der Duma ermächtigt –, mit militärischen Mitteln einzuschreiten, sollte russisch-sprechenden Ukrainern von Kiewer „Faschisten“ Leid zugefügt werden. Es ist ihm weit über den eigenen Herrschaftsbereich hinaus gelungen, die bloße Existenz einer minoritären national-chauvinistischen Partei als hinreichenden Beleg eines erfolgreichen faschistischen Putsches darzustellen. Damit scheint die Frontlinie geklärt – für die von gerechtem Zorn erfüllten Bürger Russlands wie für einfühlsame Großmacht-Interpreten im energiedurstigen Westen: auf der einen Seite eine dem Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera nacheifernde Rebellen-Regierung, auf der anderen der hehren Zielen und verständlichem Selbstinteresse folgende Kreml.

Falls man aber den westeuropäischen Medien und ihrer Berichterstattung aus Ukraine und Russland noch einigermaßen vertrauen kann, drängt sich der Eindruck auf, dass die Putinsche Faschismusdiagnose weniger durch Informationen aus dem westlichen Nachbarland als vielmehr durch intime Kenntnis des eigenen Staates inspiriert ist. Im Klartext. Die Verketzerung der Maidan-Bewegung soll womöglich von faschistoiden Tendenzen im eigenen Haus ablenken. Diese These bedarf einer genaueren Begründung.

Der folgende Schnelltest benutzt einige typische Eigenschaften faschistischer Systeme, wie sie u.a. in der polithistorischen Forschung (und einschlägigen Wikipedia-Artikeln) genannt sind. Die aufgeführten Eigenschaften betreffen wohlgemerkt nur die staatliche Ebene der verglichenen Länder.

Faschismus-Merkmale Ukraine Russland
Militanter Nationalismus nein ja
Nationalistische Parteien vorhanden ja ja
Nationalist. Partei(en) in Regierung ja ?
Großmachtambitionen nein ja
Effektive Gewaltenteilung abwesend ? ja
Autoritäres Führerprinzip nein ja
Zentralisierte staatliche Steuerung ? ja
Identität von Staat und Partei nein ?
Gleichgeschaltete Massenorganisationen nein ?
Kontrolle der Massenmedien nein ja
Starke Stellung der Geheimpolizei nein ja
Niedrige staatl. Tötungshemmung nein ja
Abwertung pluralistischer Demokratie nein ja
Dominanz staatlicher Propaganda nein ja
         Summarisches Ergebnis 2 Ja, 10 Nein, 2 ? 11 Ja, 0 Nein, 3 ?

 

Das Ergebnis sollte zu denken geben. Die „faschistischen“ Elemente des ukrainischen Staates sind nur unwesentlich stärker ausgeprägt als in Westeuropa (so bedauerlich sie auch sein mögen). Im Gegensatz zum ukrainischen Staat scheint jedoch der russische Staat in seiner gegenwärtigen Verfassung nur eine sehr kurze Wegstrecke vom vollendeten Faschismus entfernt. Statt einen irrealen Faschismus in der Ukraine zu diagnostizieren, sollte der russische Präsident besser aufpassen, dass er nicht als Schöpfer des realen Putin-Faschismus in die Geschichte eingehen wird.

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Über hwiesenthal

Soziologe und Politikwissenschaftler, seit 2003 im Ruhestand, gelegentlich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft für Sozialforschung (AfS) e.V. und bei der Grünen Akademie der Heinrich Böll-Stiftung.
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18 Antworten zu Der falsche und der wahre Faschismus des Wladimir Putin

  1. Hans schreibt:

    Herr Wiesenthal, Ihr Beitrag ist lächerlich und zeugt von keinerlei Kenntnis der aktuellen Lage in der Ukraine! Haben Sie jemals die Worte: „Ukraine, Faschisten, Rechter Sektor, Swoboda“ in die Suchmaske bei Google oder YouTube eingegeben?
    Und was in Ihrem Artikel gänzlich fehlt, ist die Tatsache, dass die faschistische Putsch-Regierung in der Ukraine vom Westen unterstützt wird (u.a. mit europäischen Steuergeldern).
    ———————————
    [Linkliste mit Youtube-Verweisen wurde redaktionelle entfernt.]

  2. Werner Berchner schreibt:

    Auch wenn man das erste Merkmal „militanter Faschismus“ für die Ukraine eigentlich mit „Ja“ beantworten muss, ist das Ergebnis eindeutig genug.

  3. Віто schreibt:

    Deutschland, ja, ja

  4. justice schreibt:

    Was verstehen Sie unter Faschismus? Bitte um Definition.

    • hwiesenthal schreibt:

      Eine brauchbare Übersicht finden Sie auf Wikipedia. Für neuere Interpretationen auf russischer Seite empfehle ich die Interviews und Bücher von Aleksander Dugin.

  5. Pingback: Der falsche und der wahre Faschismus des Wladimir Putin | Voices of Ukraine

  6. mannimmond schreibt:

    warum so kompliziert, wenn es auch einfach geht:
    Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf

  7. zenobiusz schreibt:

    Hat dies auf Zenobiusz rebloggt.

  8. mcleinn schreibt:

    Hat dies auf Euromaidan PR rebloggt.

  9. Gert Alexander schreibt:

    http://m.youtube.com/watch?sns=fb&v=Tdj24-pWnzc

    Hier… Die „angeblichen“ Faschisten…

  10. Gert Alexander schreibt:

    Ukraine hat keine Großmachtambitionen? Keine staatliche Propaganda? Keine Kontrolle über Medien? Wo beziehen Sie den Ihre Infos her? Und Kiewer „Faschisten“ nur in Anführungsstrichen? Ein lächerlicher Beitrag ohne jeglichen Realitätsbezug! Ich würde Ihnen youtube als Informationsquelle empfehlen und nicht „Schmiergel“ und Co.

  11. Nick Meling schreibt:

    Was verstehen Sie über Russland und Ukraine? Waren Sie schon Mal dort länger als ein paar Wochen? Hören Sie auf hier Tatsachten zu verdrehen, Sie „Liberalist“! Bei Ihrem lächerlichen Vergleich, müsste bezogen auf die Ukraine, fast jede Frage ebenfalls mit Ja beantwortet werden! (..bis auf das „Großmachtstreben“ vielleicht) Beide Länder streben nicht danach – Russland ist es schon (auch wenn Sie es nicht wahr haben wollen) Ukraine wird niemals Großmacht werden. Das Land wird sich nicht spalten, es ist schon längst gespalten – und eine zerbrochene Wase können Sie nicht wieder zusammenkleben.

  12. Stephan Reuter schreibt:

    Danke Herr Hwiesenthal, mir fehlt oft die Eigenschaft Dinge einfacher weiterzugeben. Ich denke, das erklärt auch warum ich selbst 1 Monat lang mit einem Verwanden gestritten habe. Es mag vielleicht nicht detailliert genug sein, doch die wichtigsten Aspekte umschreiben. Ebenso viele viele E-Mails an alle verschieder demokratischen Behörden aller Gewaltenteilungen.

  13. alphachamber schreibt:

    Danke für Ihre Antwort.
    1. Solche Vergleiche sind von Natur aus zutiefst subjektiv. Man stellt sie an um vorgefasste Meinungen zu bedienen.
    2. Wozu sollten solche Übungen dienen? Sie liefert keine nützlichen Aussage in diesem Konflikt.
    3. Die versteckten Umstände und äusserst komplizierte Dynamik des Zusammenspiels werden ignoriert.
    4. Russland kann schneller, direkter und wirkungsvoller regieren: das ist in sich selbst noch nicht faschistisch. Europa ist träger, unschlüssiger und sendet gemischte Signale aus verschiedenen Interessen. Dennoch gibt es in unserem Parlamentarismus faschistoide Handlungen.
    5. Die Deutschen lieben die Welt nach „Stiftung Warentest“ Kriterien einzuteilen, das sind aber nicht dieselben von mindestens 2/3 der Weltbevölkerung.
    MFG

  14. alphachamber schreibt:

    Verzeihen Sie, aber Ihr Faschismustest erinnert an die hirnrissige „Faschismus-Skala“, die Adorno während seines USA Exils fabrizierte.
    MFG

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