Der Limburger Bischofspalast — ein göttlicher Plan?

Die Kritiker der exorbitanten Baukosten des Limburger Bischofssitzes scheinen eine nicht gerade fernliegende Möglichkeit zu übersehen. Die Entstehung des durchaus repräsentativen und auch architektonisch interessanten Gebäudekomplexes muss ja keineswegs auf so triviale Ursachen wie die Geltungssucht eines Bischofs oder ein Defizit an Kostenbewusstsein respektive Rechenkompetenz zurückgeführt werden. Ist es denn gänzlich unwahrscheinlich, dass Bischof Tebartz-van Elst einer drängenden Eingebung, wenn nicht gar dem präzisen Auftrag einer höheren Instanz folgte? Einer Instanz, die mit dem Bischofssitz, womöglich mit der ganzen Limburger Diözese, Großes vorhat – etwas, das sich den ebenso kleinmütigen wie knauserigen „Gläubigen“ nicht auf Anhieb erschließt?

Einerseits mag es wohl sein, dass ein vom Geiste demütiger Askese beseelter Gottesdiener auch mit einer einfachen Dachkammer, sozusagen als „möblierter Herr“, seinen Pflichten nachkommen kann. Andererseits ist klar, dass ein gewöhnliches Siedlungsreihenhaus zwar dem gewöhnlichen Kirchenmitglied gut ansteht, aber kaum dem auserwählten Diener des Allerhöchsten. Die gottgewollte Hierarchie einer ganzen Palette exklusiver Privilegien, deren einer Endpunkt die Insignien edler Armut sind, während am anderen Ende die Versuchungen allerlei weltlicher Güter lauern, – diese Varianten der gottgefälligen Lebensweise lassen sich nicht mit Durchschnittlichem und Gewöhnlichem zu überzeugendem Ausdruck bringen.

Doch genau das ist es, was die Öffentlichkeit dem Bischof zumutet. Sagen wir es frei heraus: Sie will, dass „ihr“ Bischof so trivial und gottvergessen daher kommen möge, wie der durchschnittliche, auf Kirchensteuer-Minimierung bedachte Durchschnittskatholik! Dass Tebartz-van Elst einem göttlichen Auftrag folgt, ja, dass es überhaupt einen Gott geben mag, der seinen irdischen Dienern gelegentlich eine Idee oder gar einen konkreten Wunsch offenbart, ist diesen ungläubigen „Gläubigen“ völlig aus dem Blick geraten. Ist es denn gänzlich unvorstellbar, dass Tebartz-van Elst mit dem eindrucksvollen Prachtbau etwas herausragend Gutes, also wortwörtlich: ein „gutes Werk“, bewirken wird?

Liebe Limburger, lasst den Bischof in Gottes Namen tun, was zu tun er aufbrach. Über kurz oder lang wird sich erweisen, welcher Nutzen und welche Botschaft von dem so prominent gewordenen Bauwerk ausgehen werden. Womöglich wird es eine Heimstatt für abschiebebedrohte Asylbewerber. Oder ein Stätte für die Speisung Obdachloser. Oder ein Ort der Tröstung und Versöhnung priesterlich missbrauchter Kinder. Oder auch nur ein Urlaubsdomizil für den Stellvertreter Gottes. Also habt etwas Geduld, ihr Kleingläubigen. Es ist nicht alles Käse, was anstößig duftet.

Solltet Ihr aber an Eurem schnöden Rücktritts- und Bestrafungsverlangen festhalten, so seid Euch bewusst, dass auch Ihr einem höheren Auftrag folgt. Ein Blick in das entspannte Antlitz des Bischofs genügt schon, um zu erkennen, dass er sich längst in Gottes Hand befindet. Vielleicht wurde er für diese Prüfung auserwählt, um ihn auf einen Lebensweg zu leiten, an dessen Ende alle Voraussetzungen zur Heiligsprechung erfüllt sein werden. Merke: Es gibt nichts, wirklich NICHTS, in dem sich nicht ein religiöser Sinn entdecken ließe.

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Über hwiesenthal

Soziologe und Politikwissenschaftler, seit 2003 im Ruhestand, gelegentlich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft für Sozialforschung (AfS) e.V. und bei der Grünen Akademie der Heinrich Böll-Stiftung.
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