Gibts denn keine besseren Wege zur Weltmeisterschaft?

Für den plötzlichen Abschied der deutschen Fußballfrauen aus der Weltmeisterschaft ist Katastrophe ein zu milder Begriff. Es ist einfach schrecklich. Jetzt war auch noch zu lesen, dass die Film-Regisseurin Sung-Hyung Cho („Full Metal Village“) ein komplettes Film-Exposé wegschmeissen musste. Sie hatte fest gepant, den Durchmarsch ins Endspiel zu dokumentieren. Diesen Film wird es nie geben! Was ist bloß schiefgelaufen?  Die Spielerinnen, die Trainerin, der Zwanziger, ja eigentlich alle Bürgerinnen und Bürger, mit und ohne Migrationshintergrund, hatten sich fest vorgenommen, wieder Weltmeisterin zu werden.

Womöglich liegt der Hund genau im Überschuss an gutem Willen begraben. Wie ist das denn, wenn Weltmeisterschaft ist? Gibt es da nicht mehrere Mann-/Frauschaften, die an die Spitze wollen? Aber nur eine kann es schaffen! Fast wie im Krieg, wo auch keiner gerne der Verlierer sein will. Und dennoch fahren manche „Sieg-Wollenden“ als Verlierer nach Hause. Wenn das so ist (und so isses), wäre es wichtig, dafür zu sorgen, dass es nur noch eine Mannschaft gibt, die ganz doll Sieger werden will. Wie sich das machen lässt, wurde vor langer Zeit am Max-Planck-Institut in Köln erforscht: Wenn viele etwas wollen, das nicht für alle langt, bietet man den anderen Ausgleichszahlungen („side payments“) an. Und zwar in wohlkalkulierten Stufen, nicht gleich alles auf einmal. Ob es genug ist, erkennt man, sobald nur noch eine Mann-/Frauschaft an die Spitze will, während sich alle anderen auf die vielen Kaffeeservice freuen. Mit verbotenen Absprachen hat das überhaupt nichts zu tun. Denn es geht nur um das Siegen-Wollen, nicht um das Spiel oder gar den Spiel-Ausgang.

Und das konnte man wieder einmal live studieren. Wollen allein hilft nicht, Können ist auch nützlich. Wenn man also mit Wollen allein nicht ans Ziel kommen kann, könnte man es doch auch lassen. Das würde einem auch die Emission von Ausgleichszahlungen ersparen. Das hieße, ganz bescheiden ins Turnier zu gehen: „Mal sehen, wie es läuft. Dabei sein ist alles“ (Lance Armstrong et al.). Und gerade weil es keinen engen Zusammenhang von Input (Wollen) und Output (Abschneiden) gibt, bleibt ein Sieg noch allemal möglich: halt nur ohne Stress, ohne frustrierte Erwartungen, ohne Überforderung, ohne Nervosität, sozusagen aus reiner Spielfreude. Eigentlich ganz einfach!?

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Über hwiesenthal

Soziologe und Politikwissenschaftler, seit 2003 im Ruhestand, gelegentlich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft für Sozialforschung (AfS) e.V. und bei der Grünen Akademie der Heinrich Böll-Stiftung.
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Eine Antwort zu Gibts denn keine besseren Wege zur Weltmeisterschaft?

  1. hwiesenthal schreibt:

    Die ursprüngliche Formulierung „… das ganze Land samt Migrationshintergrund …“ ist auf Kritik gestoßen. Tut mir sehr leid, ich wollte niemand auf seinen/ihren „Hintergrund“ reduzieren. Natürlich ist jede/r viel, viel mehr und oft auch anderes als sein/ihr „Hintergrund“.

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