Das GLASS-Ultimatum: Eine realistische Fiktion, 3. Teil

(2. Fortsetzung:) Peking reagiert auf die von Sanktionen begleitete Klimapolitik der USA alles andere als verständnisvoll. Und seine auf Taiwan gerichteten Absichten rufen zwangsläufig die Militärs an den Kabinettstisch des US-Präsidenten. Dieser ordnet an, die  Präsenz von US-Streitkräften auf und vor Taiwan zu verstärken und Chinas militärische Aktionen sorgfältig zu beobachten. Als Folge der erhöhten Spannung in der Taiwan-Straße kommt es immer häufiger zu Zwischenfällen: „versehentliche“ Kollisionen zwischen Schiffen, unerklärte Abstürze von Kampfjets.

Der US-Regierung stellen sich zwei Fragen: Wie lässt sich der Eskalation Einhalt bieten, damit es nicht zum bewaffneten Konflikt kommt? Und wie lässt sich der „Carbon Plan“ realisieren, wenn er auf soviel Widerstand in Peking, im internationalen Rahmen, aber auch im eigenen Land stößt? Der Präsident entschließt sich, dem chinesischen Präsidenten eine Botschaft zu schicken, in der er noch einmal ausführlich die ehrliche Absicht der USA erläutert, durch rasche Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen zu kommen. Die USA seien selbst zu tiefen Einschnitten und entsprechenden Opfern bereit. Aber diese machten nur Sinn, wenn China als größter Emittent mitzieht und auf dieser Basis auch die anderen Länder zum Mittun veranlasst werden könnten. Nach kontroversen Diskussionen mit seinen Beratern macht Präsident Benton China sogar noch das bislang unvorstellbare Zugeständnis: Sobald China den „Carbon Plan“ akzeptiert habe, seien die USA auch zu Verhandlungen über die Zukunft Taiwans bereit.

Die Antwort der chinesischen Regierung lässt nicht lange auf sich warten. Sie ist knapp, präzise und kompromisslos: China fordert die USA auf,  sofort alle  Sanktionen einstellen und sich unverzüglich aus Taiwan zurückzuziehen. Aber wieder kein Wort zum globalen Klimaproblem, den US-Vorschlägen und der Mitverantwortung Chinas für die Verringerung der CO2-Emissionen. Statt dessen kündigt der chinesische Präsident sehr ernsthafte Konsequenzen für den Fall an, dass die USA sich diesen Forderungen widersetzen. China sei entschlossen, einem Angriff auf seine Souveränität mit allen Mitteln zu begegnen.

Nun laufen in Washington die Drähte heiß. Außenpolitiker, China-Experten, Militärstrategen und Präsident Benton – nach eigener Einschätzung der Welt engagiertester und verantwortlichster Klimaschützer – beraten, wie man die extreme Sturheit der chinesischen Regierung beantworten sollte. Die Richtung, in die sich die verschiedenen Optionen verdichten, wird letztenendes von den Ereignissen in der Taiwan-Straße bestimmt. Dort kommt es immer häufiger zu ernsthaften Scharmützeln auf See und in der Luft, die mehreren tapferen US-Marines das Leben kosten. Also beschließt man einen eng begrenzten Schlag auf vier chinesische Militärbasen, von denen die Angriffe auf die amerikanischen Schiffe und Flugzeuge ausgingen. Zivilpersonen würden dabei so weit wie irgend möglich vermieden.

Der begrenzte Militärschlag würde China ein klares Signal geben, seine Provokationen einzustellen und sich endlich dem „Carbon Plan“ anzuschließen. Gleichzeitig würde China unmissverständlich klar gemacht, wie ernst es die USA mit ihrer Verantwortung für die Welt meinen. Sobald die Militärschläge erfolgt seien, würde US-Präsident Benton dem chinesischen Volk und der Welt per Fernsehansprache noch einmal den Hintergrund des begrenzten Konflikts, nämlich den „Carbon Plan“ zur Rettung der Welt, erläutern und um Unterstützung bitten. Von diesem Ziel, das im Interesse aller Nationen läge, würden sich die USA durch nichts abbringen lassen.

Der begrenzte („chirurgische“) Militärschlag auf vier chinesische Militärbasen wird also sorgfältig vorbereitet und plangemäß ausgeführt. (Fortsetzung folgt)

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Über hwiesenthal

Soziologe und Politikwissenschaftler, seit 2003 im Ruhestand, gelegentlich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft für Sozialforschung (AfS) e.V. und bei der Grünen Akademie der Heinrich Böll-Stiftung.
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