KTG aus dem Schneider: die Uni solls auslöffeln!

Der Guttenberg-Fall handelt von der Verlogenheit einer wegen ihrer „Glaubwürdigkeit“ gerühmten Person. Als die Plagiats-Belege auftauchten, bildeten sich rasch zwei Lager. Auf der einen Seite die Kritiker aus Opposition und Medienbetrieb, von denen sich manche ihrer eigenen Anstrengungen beim Promovieren entsinnen. Auf der anderen Seite die Verantwortungsträger in CDU und CSU, die sich der eklatanten Personalknappheit im Regierungslager bewusst sind.

Am Sonntagabend trafen sich Vertreter beider Lager bei Anne Will. Während das Kritikerlager intime Kenntnis der Plagiate demonstrierte, glänzten die Verteidiger, wie Tage zuvor schon die Kanzlerin,  mit echter oder gespielter Unkenntnis. Sie sprachen von Fußnoten und Gänsefüßchen, ihre Kontrahenten nur wenig verklausuliert von manifestem Betrug. Mag sein, dass Anne Wills Redaktionsteam den KTG-Verteidigern extra geraten hatte, sich nicht kundig zu machen – der Dramatik wegen.

Am Montag abend präsentiert der Freiherr endlich eine ernstzunehmende Strategie: Vorwärtsverteidigung via Lagerwechsel. Er hat sich, wie er sagte, seine Diss noch einmal angesehen (vermutlich nicht die Diss, sondern die Rezension oder das Wiki Gutten-Plag) und mehr Fehler bemerkt, als er sich üblicherweise zu verzeihen pflegt. Jetzt entschließt er sich zu einer heroischen Geste und schlägt sich dem Lager seiner Kritiker zu. Er gibt den Doktortitel ganz einfach an die Universität Bayreuth zurück – ungeachtet der Tatsache, dass diese seine Dissertation mit seltener Großzügigkeit als „eine ganz hervorragende Leistung“ geadelt hat. So glaubt KTG, einer decouvrierenden Aberkennung des Bestanden-Urteils der Promotionskommission zuvorzukommen.

Dummerweise ist aber eine Rückgabe des Doktorgrads durch den – aufgrund der nachträglich bekannt gewordenen Täuschung – zu Unrecht Promovierten in der Promotionsordnung nicht vorgesehen. Die bayreuther Kommission muss den Fall behandeln, wenn sie sich nicht die Blamage einer Verfahrensverletzung einhandeln will. Doch wird wohl der Anreiz enorm sein, die Sache ohne Neubewertung unter den Tisch zu kehren. Denn nur dann bliebe ihr erspart zu erklären, worauf sie eigentlich das „summe cum laude“ gegründet hat.

Wer glaubte , dass der Freiherr diesmal nicht so leicht jemand finden würde, der die selbst eingebrockte Suppe an seiner Statt auslöffelt, hat sich geirrt. KTG hat den Ball genau an jene zurück gespielt , die sich ihm gegenüber schon einmal als subaltern erwiesen haben. Respekt, Herr Dr. Googleberg! Bleibt nur noch das Berufsrisiko, dem nicht ausschließlich wohlwollenden Medienbetrieb ausgesetzt zu sein.

Advertisements

Über hwiesenthal

Soziologe und Politikwissenschaftler, seit 2003 im Ruhestand, gelegentlich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft für Sozialforschung (AfS) e.V. und bei der Grünen Akademie der Heinrich Böll-Stiftung.
Dieser Beitrag wurde unter CDU/CSU, Dissertation, Guttenberg, Plagiat, Politik, Promotion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s